Ausstellungen

Rayyane Tabet

25. November 2017 - 11. Februar 2018, Eröffnung: 24. November, 19 Uhr

Rayyane Tabet (*1983 Ashquot, lebt und arbeitet in Beirut) untersucht in seinen Arbeiten die historischen Verschränkungen des Nahen Ostens mit der westlichen Welt. Sein vornehmlich skulpturales Werk zeichnet sich durch archäologische Akribie im Umgang mit Kulturgeschichte aus. Dabei vermengt er offizielle Geschichtsschreibung mit seiner persönlichen Familiengeschichte, um den Blick auf kaum zur Kenntnis genommene Erzählungen und Zufälle zu lenken.


Für seine erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland konzentriert er sich auf Max von Oppenheim: ein deutscher Diplomat, Orientalist und Archäologe, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Berühmtheit erlangte, als er den antiken Siedlungshügel von Tell Halaf im heutigen Syrien entdeckte. Wichtige Teile dieser Ausgrabung gehören heute zum Pergamonmuseum in Berlin, an welchem Tabet derzeit forscht. Ein Großteil der Funde musste vor einigen Jahre nach ihrer Wiederentdeckung im Lager des Museums in mühevoller Kleinstarbeit restauriert werden, da sie im Zweiten Weltkrieg Opfer britischer Bombenagriffe wurden. Auch heute ist die antike Stadt Tell Halaf und die mit ihr verbundene kulturelle Tradition wieder bedroht vom Krieg in Syrien. Zum Schutz wurde sie erneut vergraben.


Tabets Interesse an dieser Geschichte ist auch dadurch begründet, dass sein Urgroßvater ab 1929 persönlicher Sekretär von von Oppenheim war. Im Auftrag der französischen Regierung sollte er diesen beobachten, da man in ihm einen militärischen Spion Deutschlands vermutete. Erhaltene Briefe seines Urgroßvaters an seine Urgroßmutter aus dieser Zeit bilden den Ausgangspunkt für Tabets Interesse an von Oppenheims Geschichte. Vor dem Hintergrund dieser zufälligen und erstaunlichen Überschneidung wird Tabet eine Ausstellung konzipieren, welche die persönlichen Erinnerungen abstrahiert und transformiert, um die fortwährenden und komplexen Beziehungen zwischen dem Orient und dem Westen zu analysieren. Der kulturelle Austausch und Handel wird dabei ebenso berücksichtig wie vergangene und aktuelle politisch-religiöse Konflikte und Verstrickungen.